Präsentieren mit und ohne PowerPoint

In der letzten Zeit kursieren in Zeitungen und Zeitschriften Artikel, die den Schuldigen für alle schlechten Vorträge dieser Welt ausgemacht haben: PowerPoint! Ohne dieses Programm gäbe es keine langweiligen Vorträge, keine nichts sagenden Vorträge, keine Unwahrheiten in den Vorträgen...

Die Debatte wärmt eine ältere Kritik an PowerPoint auf. Eine gute Zusammenfassung bietet ein Artikel von Mathias Mertens. In neuester Zeit schließt sich auch der Neurobiologe Manfred Spitzer dieser Kritik an.

PowerPoint ist ein Werkzeug - gut gebraucht, erzeugt es gute Resultate; schlecht gebraucht eben schlechte. Genauso wie eine Schreibmaschine oder ein Textprogramm. Allein die Tatsache, dass ich Maschinenschreiben kann, macht aus mir keinen guten Journalisten. PowerPoint macht keinen guten Vortragenden aus mir.

Es hat schon immer wesentlich mehr schlechte Vorträge gegeben als gute. Das war zur Zeit von Tafelanschrieb und Overhead genauso wie heute in der Zeit von Laptop und Beamer. Die Vorträge sind schlecht, die Vortragenden können es nicht - welches Werkzeug dabei Verwendung findet, ist ziemlich gleich.

Nur trägt weder der Diaprojektor noch das Whiteboard noch PowerPoint Schuld daran. Wie alle Hilfsmittel fungiert PowerPoint wie ein Vergrößerungsglas: es macht die gute Ausführung besser und die schlechte noch sehr viel schlechter.

Aber bei einem gebe ich den Kritikern aus vollem Herzen recht: PowerPoint ist ein Verführer.
Es verführt dazu, unvorbereitet in den Vortrag zu gehen, weil man ja die Folien ablesen kann. Es verführt dazu, komplexe Sachverhalte, die der Dozent selber nicht so richtig verstanden hat, mit einer hübschen Visualisierung zu "erklären". Es verführt dazu, den Effekt über den Inhalt zu stellen. Es verführt Menschen dazu, Vorträge zu halten, für die sie weder fachlich noch vortragstechnisch gerüstet sind.

Und damit reiht sich PowerPoint in alle anderen Computer-Programme ein: Rechenprogramme verführen zu einer schrecklichen Vergewaltigung statistischer Berechnungen; Schreibprogramme verführen dazu, missgestaltete Briefe und Broschüren unter die Leute zu bringen; Webseiten-Baukästen verführen zu einer Produktion von Homepages, die den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen.

12.06.2006

 

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Pia Bork

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