Visualisieren

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

… tut es das? Ein viel zitierter Satz, der nicht an Wahrheitsgehalt gewinnt, weil er ständig wiederholt wird. Allein schon die Quelle des Zitats zu finden, erweist sich als unmöglich. Ist es nun ein chinesisches Sprichwort, direkt von Konfuzius? Oder hat der Werbefachmann Fred Barnard den Spruch 1921 geprägt? Wer auch immer der Urheber sein mag, stimmt der Satz?

So pauschal nicht. Nicht jedes Bild ist in der Lage, einen komplizierten Sachverhalt zu erhellen und nicht für jeden Lernenden ist ein Bild eine Verständnishilfe. Darüber hinaus bedeutet "Visualisierung" nicht einfach das Herzeigen von Bildern.

"Visualisieren" muss letztendlich ein Bild im Kopf des Zuhörenden oder Lernenden erzeugen. Viele Hilfsmittel dienen dazu: Sie können einen komplexen Sachverhalt in eine Geschichte packen und so ein inneres Bild der Vorstellung durch den Zuhörer in Gang setzen, Sie können einen Vorgang vorspielen, Sie können ein Sprachbild verwenden oder einfach nur eine Gestik einsetzen. Natürlich können Sie auch ein fertiges Bild wie eine Fotografie zeigen. Das fordert am wenigsten Aktivität von Ihrem Zuhörer - und bleibt am wenigsten tief haften.

Voraussetzung und Grenzen der Visualisierung

pp090Das Verständnis für eine Bild oder eine Grafik ist abhängig vom Vorwissen des Zuschauers. Ein typisches Beispiel ist eine chemische Strukturformel - sie sagt dem chemisch Vorgebildeten alles, dem Laien nichts. Links sehen Sie so eine Strukturformel. Sie kennen die Substanz. Wenn Sie aber weder Apotheker noch Mediziner oder Chemiker sind, werden Sie anhand dieser Darstellung niemals ermitteln, dass es sich um Vitamin C handelt!

Einige Bildarten muss man auch erst lesen lernen. Ablaufdiagramme erschließen sich dem Unkundigen nicht beim ersten Mal. Ihre Logik und Struktur muss man erst lernen, bevor man ein konkretes Ablaufschema verstehen kann. Genauso geht es mit einer technischen Skizze oder einer geologischen Karte - wer nicht gelernt hat, diese Darstellung zu interpretieren, kann damit gar nichts anfangen.

Bei vielen sehr komplizierten Sachverhalten ist eine Abbildung hilfreich, nachdem man den Vorgang verstanden hat. Das Bild hilft beim Strukturieren des Gelernten und später beim Erinnern. Typisch ist das Bild des Zitronensäurezyklus oder der Photosynthese. Eine Abbildung hilft nichts, wenn Sie die chemischen Vorgänge nicht bereits begriffen haben. Ist man aber in der Chemie sattelfest und hat verstanden, was da abläuft, kann man anhand der Grafik einen hochkomplexen Sachverhalt sehr einfach memorieren und erläutern.

 

 

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Pia Bork

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